Moorfroschinseln bei Sestelin - Teil 1

Schutz von Amphibien auf kleingewässerreichen Ackerflächen

Unser Ziel ist die Schaffung eines Refugiums für gefährdete Amphibienarten. Hierdurch soll u.a. der für Nordostdeutschland typische Moorfrosch profitieren. Auch Insekten und seltene Ackerwildkräuter wollen wir gezielt fördern.

04/2021 – 03/2024
Icon Partner Haende pur 2 Hektar
Icon Partner Haende pur Dienstvertrag
Icon Partner Haende pur 14,30
86 Zertifikate verkauft   |   514 noch verfügbar
noch 56 Tage können Sie investieren
  • Summe:

Über das Projekt

Ausgangssituation

Die Projektfläche befindet sich auf einem sandigen Ackerschlag mit einer großen Anzahl an Kleingewässern. Nach der Zuckerrübenernte im Herbst 2019 wurde eine Fläche von 3,5 ha zur Schonung von Amphibien als ökologische Vorrangfläche aus der Nutzung genommen. Diese Fläche umfasst bzw. grenzt an insgesamt vier temporäre Kleingewässer sehr unterschiedlicher Struktur. Laichgewässer, Sommerlebensräume und Überwinterungsstrukturen für Amphibien werden auf diese Art miteinander vernetzt.

Warum hier?

Die Gemeinde Dargelin, in der sich die Projektfläche befindet, zeichnet sich durch ihr hohes Vorkommen an "Feldsöllen" (durch die Eiszeit geprägte und zeitweise wasserführende Hohlformen) aus und bietet damit wichtige Lebensräume für gefährdete Pflanzenarten, Libellen, Wasserkäfer und Amphibien. Mit etwa 100 Feldsöllen und anderen Kleingewässern pro Quadratkilometer gehört Dargelin zu den strukturreichsten Agrarlandschaften im Greifswalder Umland. Das Potential zur Förderung von gefährdeten Amphibienpopulationen ist dementsprechend hoch. Im Frühjahr 2019 konnte das Vorkommen von Moorfröschen und Grünfröschen in den Kleingewässern innerhalb der Projektflächen bereits bestätigt werden. Auch der Gesang der Laubfrösche und das geheimnisvolle "toc toc toc" der Knoblauchkröte sind im Frühjahr in der Umgebung zu vernehmen. Die Ufer der Kleingewässer bieten eine Vielzahl an Nistmöglichkeiten (nicht nur) für Wildbienen und andere Insekten. Die Anlage einer mehrjährigen Bienenweide in unmittelbarer Nähe ist als eine weitere Aufwertung des Wildbienen-Lebensraums geplant. Auf den Ackerflächen finden sich schon im ersten Jahr nach der Nutzungsaufgabe schützenswerte Ackerwildkräuter, z.B. das Mäuseschwänzchen (Myosurus minimus) und der Sand-Mohn (Papaver argemone), die in Mecklenburg Vorpommern auch auf der Vorwarnliste stehen.

Was wäre ohne das Projekt?

Auf Empfehlung unserer Naturschutzberaterin und mit der Perspektive auf eine Finanzierung durch AgoraNatura haben wir uns bereits letztes Jahr entschieden, die Flächen vorübergehend auf freiwilliger Basis als ÖVF-Brachen aus der Nutzung zu nehmen. Ohne eine finanzielle Honorierung können wir aber mittel- und langfristig auf die Bewirtschaftung der Flächen nicht verzichten und auf den Schonflächen müsste wieder konventioneller Ackerbau betrieben werden.

Amphibien, die sich zur Zeit der Bewirtschaftung auf den Ackerflächen befinden, wären sowohl durch Bodenbearbeitung als auch durch die Ausbringung von mineralischen Düngern und Pflanzenschutzmitteln einem hohen Verletzungs- bzw. Tötungsrisiko ausgesetzt. Die aktuellen Amphibienpopulationen würden hierdurch geschwächt, die Ausbreitung schützenswerter Ackerwildkräuter würde unterdrückt.

Konkrete Maßnahmen

Die Fläche unterteilt sich in drei unterschiedliche Bewirtschaftungseinheiten: (i) selbstbegrünte Brache zum Amphibienschutz; (ii) mehrjährige Bienenweide (iii) Anlage eines Extensivackers zur Förderung von Ackerwildkräutern. (Amphibien profitieren auch durch die Maßnahmen ii und iii !)

zu (i): Selbstbegrünte Brache (Fokus: Amphibien)
- als Verbund zwischen den Feldsöllen/Kleingewässern
- keine Bodenbearbeitung, kein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Düngern
- Mulchen oder Pflegemahd maximal einmal jährlich nach dem 15. Oktober (Zu diesem Zeitpunkt haben sich die Amphibien bereits in ihre Winterquartiere zurückgezogen und können nicht mehr verletzt werden.)

zu (ii): Anlage einer mehrjährigen Bienenweide (Fokus: Bestäuber)
- angrenzend zu Feldgehölzen und Schilfröhricht im Nordosten der Fläche
- Nutzung einer regio-zertifizierten Saatmischung
- auf einer Fläche von ca. 0,5 ha, angrenzend an Gehölzstrukturen
- kein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Düngern
- 1-2 mal jährlich Pflegemahd/Mulchen, in Abhängigkeit von der Flächenentwicklung und zur Regulierung von Problemunkräutern (nicht zwischen 1. Juni und 15.Juli), ggf. in Teilflächen
- ggf. Nachsaat

zu (iii): Anlage eines Extensivackers (Fokus: Ackerwildkräuter)
- angrenzend an die Brache, aber nicht unmittelbar neben den Kleingewässern
- bei Einsaat von Getreide und anderen Feldkulturen: Halbe Saatstärke
- optional in manchen Jahren Bodenbearbeitung (z.B. mit Scheibenegge) ohne Einsaat
- kein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Düngern

Die gesamte Projektfläche umfasst ca. 3,5 ha. In einem ersten Teilangebot sollen diese drei Maßnahmen auf insgesamt 2 ha umgesetzt werden. Kann auch für Teilangebot II eine Finanzierung gewährleistet werden, können wir auch die selbstbegrünte Brache mit Fokus Amphibienschutz um weitere 1,5 ha ausdehnen. Eine Fortführung und Weiterfinanzierung des Projektes über die erste dreijährige Projektphase hinaus wird angestrebt. Zum Erhalt des Ackerstatus ist ein Umbruch der Fläche nach vierjähriger Bodenruhe möglich. Der dafür günstigste Zeitpunkt wird mit den naturschutzfachlichen Ansprechpartnern des Projektes abgestimmt.

Die Projektfläche grenzt unmittelbar an drei Feldsölle und ein Großseggenried, die alle als geschützte Biotope gelten.

Geschützte Arten

Der Moorfrosch (Rana arvalis) ist eine typische Amphibienart im Nordwesten Deutschlands. Eine besondere Attraktion ist die intensive Blaufärbung der Männchen während der Paarungszeit. Durch einen Verlust an Feuchtgebieten und ausreichend Rückzugsräumen in der Agrarlandschaft ist er in vielen Regionen in seinem Bestand gefährdet. Deutschlandweit steht er - wie die meisten heimischen Amphibienarten - auf der Roten Liste. In Vorpommern sind Moorfrösche glücklicher Weise auch in der Agrarlandschaft noch relativ häufig anzutreffen - zumindest in nicht allzu trockenen Jahren. Wir wollen uns dafür einsetzen, dass Moorfrösche und andere geschützte Tier- und Pflanzenarten langfristig genügend Lebensräume in unserer Region finden.

In diese Naturleistungen investieren Sie

Gefährdete Zielarten auf der Fläche oder in direkter Umgebung
  • Moorfrösche (gefährdet nach Rote Liste Deutschland und MV)
  • Teichfrösche (gefährdet nach Rote Liste MV)
Gefährdete Zielarten in der Umgebung
  • Laubfrösche (gefährdet nach Rote Liste Deutschland und MV)
Weitere wichtige Arten
  • Schreiadler (potentielle Nahrungsfläche im 3 km Radius)
Besondere Habitatstrukturen
  • Alte Kopfweide, andere Gehölze, Totholz und Lesesteinhaufen am Rande der temporären Kleingewässer bieten Nist- und Rückzugsmöglichkeiten für zahlreiche Tierarten
Gefährdete Arten (insgesamt 6 (alle nach Roter Liste MV zurückgehend = Vorwarnliste))
  • Aphanes arvensis (Gewöhnlicher Ackerfrauenmantel)
  • Myosurus minimus (Kleiner Mäuseschwanz)
  • Papaver argemone (Sand-Mohn)
  • P. dubium (Saat-Mohn)
  • Veronica hederifolia (Efeu-Ehrenpreis)
  • Scleranthus spec. (Einjähriges Knäuelkraut)

Weitere wichtige Arten: Geranium spec. (Storchschnabel), Erodium circutarium (Gewöhnlicher Reiherschnabel), Lamium purpureum (Purpurrote Taubnessel), Matricaria chamomilla (Echte Kamille), Papaver rhoeas (Klatschmohn), Rumex acetosella (Kleiner Sauerampfer), Spergula arvensis (Acker-Spark), Vicia spec. (Wicken) als weitere HNV-Arten

Besonders gefördert werden
  • wertvolle Ackerwildkräuter, HNV-Arten Ackerland/Brache

Blühende Monate: 5

Blühende angesäte Wildkräuter und Kulturpflanzen (Teilfläche 3) 37 angesäte Arten, Spontane Wildkräuter (alle Teilflächen) und Bäume (Prunus avium) und Sträucher (Prunus spinosa) am Flächenrand

Farbliche Vielfalt: weiß, rot (Spontanarten), gelb, rot, weiß, blau (Blühmischung)

Matricaria chamomilla (Echte Kamille), Matriciaria inodora (Falsche Strandkamille), Papaver spp. (Mohnarten) = Spontan; Echium vulgare (Gewöhnlicher Natternkopf), Silene dioica (Rote Lichtnelke), Daucus carota (Wilde Möhre), Anthemis tinctoria (Färberkamille) = Blühmischung

Pollenpflanzen für spezialsierte Wildbienen in Blühmischung

z.B. Echium vulgare (Gewöhnlicher Natternkopf), Hypochaeris radicata (Gewöhnliches Ferkelkraut), Reseda luteola (Färber-Wau), Cichorium intibus (Gemeine Wegwarte)

Besondere Habitatstrukturen
  • Mäuselöcher, markhaltige Stengel ca. 2000 m²
  • angrenzend: Lesesteinhaufen, stehendes und liegendes Totholz k.a.
  • angrenzend: Grasfilz im Schilf ca. 1500 m²

Verzicht auf den Einsatz von Insektiziden

Je Zertifikat: 0,1 - 0,3 kg N Grundwasserleistung (Literatur-/Schätzwert)

Gesamtprojekt: 60 - 180 kg N Grundwasserleistung (Literatur-/Schätzwert)

So kann jeder die Naturleistung erleben

  • Die Fläche ist über einen öffentlichen Weg erreichbar.
  • Es finden Umweltbildungs- bzw. Naturerlebnisangebote auf / rund um die Fläche statt.

Die Gemeinde Dargelin ist kaum touristisch erschlossen. Die schöne Landschaft und Straßen mit sehr geringem Verkehrsaufkommen laden unter anderem zu Radtouren ein. Direkt neben der Projektfläche gibt es einen Tisch und Bänke zum Picknicken. Besonders während der Abendstunden ist das Verweilen hier sehr stimmungsvoll und es lassen sich zahlreiche Tiere beobachten.

ProjektanbieterIn

Landwirtschaftsbetrieb Ringenberg

Ansprechperson: Christian Ringenberg

Webseite: www.hof-ringenberg.de

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Weitere Projektbeteiligte

Dr. Nathalie Soethe
Beratung und Unterstützung bei Angebotserstellung; Erhebung ökologischer Daten zur Angebotserstellung; fachliche Betreuung des Projektes

Abstimmung der geplanten Maßnahmen

Christian Hildebrandt

Im Rahmen der Greifswalder Agrarinitiative entstand die Idee zur Umsetzung eines Agora-Natura-Projektes; fachliche Betreuung des Projektes

Thomas Beil

Mecklenburg-Vorpommern, Vorpommern-Greifswald, 17498
Aus naturschutzfachlichen Gründen wird die genaue Lage der Fläche hier nicht sichtbar gemacht.

Dokumentation in der Umsetzungsphase

Das Projekt startet am 01.04.2021 und läuft genau 3 Jahre, vorausgesetzt alle Zertifikate wurden verkauft.

Sie werden regelmäßig über den Verlauf des Projekts informiert. Dafür können die Anbietenden kurze Nachrichten, Bild- oder auch Audiomaterial bereitstellen. Die Anbietenden sind verpflichtet, mindestens einmal im Jahr zu berichten, ob bei der Umsetzung alles geklappt hat. Gibt es aus Ihrer Sicht Schwierigkeiten, wenden Sie sich an uns, an den Anbietenden selbst oder an die Zertifizierungsstelle.

Dokumentation der Zertifizierung

Zertifiziert nach

Natur Plus Standard

Zertifiziert durch

test

Zertifizierungsbericht

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